Team Paranormale Forschung geht unheimlichen Phänomenen auf den Grund
(von Alexandra Sillgitt)
Sausen Spielzeugautos schubserlos durchs Zimmer und knarzen Schritte im menschenleeren Dachboden, legen sie los: die Geisterjäger vom Team Paranormaler Forschung Baden. Die eilen von unheimlichen Phänomenen geplagten Menschen in ganz Baden-Württemberg zu Hilfe. Jetzt haben sie bei Historix-Tours in Freiburg ihre Arbeit vorgestellt.
Im November spukt es bei Historix-Tours öfter als in den Sommermonaten. "Die Sonne geht früher unter und im Dunkeln gruselt es sich einfach schöner", meint Historix-Gründer Helmut Stiller. Seit 14 Jahren bieten er und Nicola Aly sogenannte Ghost Walks durch Freiburg an. Verkleidet als Nachtwächter jagen sie mit schauerlichen Geschichten Touristen eine Gänsehaut auf die Haut; erzählen vom Geist Christines, der auf dem Dach des Colombischlössles sehnsüchtig Ausschau nach dem Verlobten hält; von der 1867 verstorbenen Caroline Walter, deren Grab auf dem Alten Friedhof nahezu täglich mit frischen Blumen geschmückt ist – niedergelegt vom Geist ihres Geliebten? Geschichten wie diese knüpften vor zwei Jahren den Kontakt zum TPF. Das stellte am Sonntagabend nach einem Ghost Walk seine Arbeit im Gewölbekeller von Historix an der Wallstraße vor. Flankiert von roten Grablichtern.
"Mit okkulten Ritualen haben wir aber nichts zu tun", betont Andrea Blust aus Lahr, die das TPF 2007 gegründet hat. Sie selbst habe durch ihre Mutter zur Welt des Paranormalen gefunden. "Sie lag im Koma, als ich mit meiner Familie in einem Café war und der Strom ausfiel. Da wusste ich: Sie ist tot. Und so war es auch." Seitdem ist sie im Internet unheimlichen Phänomenen auf der Spur und scharrte sieben aktive Mitstreiter um sich, von der Zahnarzthelferin bis zum Theologen, "vom Skeptiker bis zum Überzeugten".
Ihr Team steht in der Tradition der Atlantic Paranormal Society aus den USA. Die begann in den 90er-Jahren Fälle in ganz Neuengland zu untersuchen und die Ergebnisse der Untersuchung online zu stellen. Genau wie dieses versucht das TPF Menschen, die glauben von paranormaler Aktivität umgeben zu sein, zu helfen. Eines von Blusts großen Vorbildern ist Walter von Lucadou von der Parapsychologische Beratungsstelle Freiburg. In seine Bücher und Vorlesungen hat sich die 40-Jährige, die hauptberuflich hauswirtschaftliche Helferin ist, vergraben.
"Wir sind aber keine Ghostbusters mit Staubsauger auf dem Rücken", verteidigt sich Blust. Und anders als Bill Murray & Co. arbeitet das TPF nicht mit einer ectoplasmatischen Eindämmungseinheit, sondern mit Infrarot-Kameras und elektromagnetischem Sensor. "Privatleute fordern uns an oder wir nehmen mit dem Eigentümer eines interessantes Objekt Kontakt auf", erläutert die Kehlerin Manuela Mikic-Otto, Stellvertreterin von Blust. Das Paranormale sei weder geschlechts- noch schicht-spezifisch, Männer wie Frauen seien Klienten von TPF, seien sowohl reich als auch arm. "Täglich erreicht mich ein Anruf, doch meist lohnt es sich pro Woche nur bei einem, nachzuforschen", so Blust. Der Service des TPF ist kostenlos, Fahrt- und Materialkosten trägt das Team.
Eine Nacht lang legt sich das TPF dann auf die Lauer, filmt, lauscht, beobachtet. Blusts Erfahrung aus dem Team: "Männer sind feiger als Frauen." Zwei bis drei Wochen dauert es, das Material zu sichten. Ist da wirklich ein weißer Geist im Nebel? Oder doch eher ein Fleck auf der Linse? Ein Gespenst nachgewiesen hat das Team noch nie – weder auf der Schauenburg Oberkirch noch im Offenburger Gefängnis. "Manches bleibt einfach ungeklärt", so Blust. Auf deren Visitenkarte steht: "Hilfe bei Paranormalem". Doch allzu oft entpuppt sich der spukende Großvater auf dem Dachboden als nachtaktiver Marder und der rotäugige Schatten vor dem Fenster als Fledermaus. "Oft stecken auch müde Augen oder Stress dahinter", meint Blust. So etwa bei einer Dame, die plötzlich Matchboxautos durchs Zimmer sausen sah.
Ob sie selbst an Gespenster glaubt, will die 40-Jährige nicht verneinen – aber auch nicht bejahen. "Ich kann weder das eine noch das andere beweisen." In Freiburg selbst ist das TPF jedenfalls dem ein oder anderem Gespenst auf der Spur. Wo dieses spuken soll, will Blust aber nicht verraten. "Wir brauchen ja die Genehmigung und viele wollen bei solchen Dingen lieber nicht an die Öffentlichkeit treten."
Mit freundlicher Genehmigung der Badischen Zeitung
Artikelquelle: Badische Zeitung





