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Romeias von Villingen
Vor mehr als vierhundert Jahren lebte in Villingen ein Mann namens Romeias. Er war auf dem Käferberg geboren und von riesenhafter Größe, seine Eltern dagegen waren beide von kleiner Statur. Wenn er durch die Gassen ging, dann vermochte er in den zweiten Stock der Häuser zu sehen. Er trug dabei hohe Pfauenfedern auf dem Hut, wodurch er noch größer erschien. Eines Tages hatte er auf einen Wagen zwei Baumstämme geladen, aber die davorgespannten Ochsen konnten die Fuhre nicht vorwärts bringen. Da lud er die zwei Tiere einfach zu den Stämmen auf den Wagen und zog die ganze Last allein nach Hause.
Oft ward Romeias auch in den Wäldern in der Gegend um Villingen gesehen, denn er jagte und wilderte hier gerne. Er war gefürchtet in der Stadt, weil er stark und jähzornig war, er war aber auch bei vielen beliebt, weil er zuvorkommend und hilfsbereit war. Außerdem war er berüchtigt, weil er sein Leben lang immer in Händel verstrickt war. So hat er in den vielen Streitfällen mit Hornberg, Haslach, Rottweil und anderen Orten manchen wackeren Streich verübt. Eine schöne Glocke soll er in Düningen, einem benachbarten Dorf im Württembergischen, geraubt und nach Villingen gebracht haben. Ein besonderes Kunststück vollbrachte er in einem Streit mit der Stadt Rottweil. Bei Nacht und Nebel schlich er sich vor die Rottweiler Stadtmauer und schlug die Wache vor dem Tor nieder. Hierauf hob er den hölzernen Torflügel aus den Angeln, lud ihn auf seine Schultern und trug ihn., ohne ihn nur einmal abzusetzen, bis auf den Stumpen, einen zwischen Villingen und Rottweil gelegenen Hügel. Ja, andere erzählen sogar, er habe beide Torflügel mitgenommen. Drei Viertelstunden von Rottweil weg sei er auf einem Bühl steckengeblieben und habe sich dann umgeschaut, ob er nicht verfolgt werde. Der Platz heißt heute noch Guckebühl. Die Torflügel soll man im Villinger Oberen Tor eingesetzt haben.
Einmal gebrauchte Romeias scharfe Worte gegen den Schultheißen der Stadt. Da niemand wagte, Hand an den starken Mann zu legen, ersann der Schultheiß eine List, um ihn gefangenzusetzen. Romeias erhielt den Auftrag, aus dem größten Verteidigungsturm, dem Michaelisturm, einen Steinklotz herauszuholen. Niemand sei dazu imstande außer ihm. Arglos stieg er in das tiefe Verlies hinab. Da zog man blitzschnell die Leiter in die Höhe und Romeias saß im Turm. Täglich wurde ihm ein kleines Kalb oder ein Schaf in das Gefängnis geworfen. Romeias sammelte nun die abgenagten Knochen. Als er genug beisammen hatte, steckte er sie in die Löcher und Ritzen der Mauer und stieg an ihnen wie auf einer Treppe die Mauer hinauf, durchbrach die Balkendecke und gelangte so unter das Dach des Turmes. Hier fand er eine Menge Stroh und drehte sich daraus ein starkes Seil. Nachts schlüpfte er durch eine Mauerlücke und ließ sich an dem Strohseil auf die Ringmauer herab. Von hier aus gelangte er in das Asyl der Johanniter, wo er fürs erste geborgen war. Aber obgleich die Kirche alsbald von einer starken Wache umstellt wurde, gelang es ihm doch, aus der Stadt zu fliehen.
Nach seiner Flucht kam Romeias auf die Küssaburg bei Waldshut. Dort wurde er als Büchsenmeister eingestellt und half, die Burg gegen die Schweizer zu verteidigen. Er hielt sich so tapfer, daß Kaiser Maximilian, dem das Schloß gehörte, Romeias lobte und ihm eine Pfründe im Spital zu Villingen zuwies. Der Magistrat mochte sich stellen, wie er wollte, es blieb ihm nichts anderes übrig, als den tapferen Mann in Ehren wieder aufzunehmen.
Später zog es Romeias noch einmal hinaus in Krieg und Streit. Er ließ sich vom französischen König in Sold nehmen und kämpfte in Oberitalien für ihn, wo er im Jahre 1513 in der Schlacht bei Novara fiel.
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St. Agatha von Villingen
In einer Waldnische eines Hauses an der Ecke Zinsergasse und Brunnengasse stand bis in jüngster Zeit ein Agathafigürchen. Die heilige Agatha wurde früher in der Stadt als Schützerin vor Feuersbrunst verehrt. Man weiß von einem Brand, der Villingen um die 150 Jahre nach der Stadtgründung heimsuchte. Die Flammen, die durch das Niedere Tor hereingeschlagen haben, sollen bis an dieses Haus vorgedrungen sein. Dort erloschen sie wunderbarerweise. Man sah hierin eine Wirkung der Fürbitte der heiligen Agatha und errichtete aus Dankbarkeit an der Hauswand in der Zinsergasse ein Bildstöckchen der Heiligen. Mit der Zeit bildete sich der Brauch, daß die Hausbewohner an jedem Agathentag vor dem Heiligenbild für 24 Stunden eine Laterne brennen hatten. Zugleich wurde in dem Hause fleißig gebetet. Die einen beteten auf dem Speicher, die andern in der Stube, wieder andere im Keller; die Magd betete im Stall.
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Die sieben Jungfrauen zu Vöhrenbach
In vergangenen Zeiten ließen sich in der Nähe der Stadt Vöhrenbach sieben Jungfrauen nieder und führten da ein frommes, klösterliches Leben. In der Stadt war um diese Zeit eine Verwilderung der religiösen Sitten eingetreten. Die Jungfrauen versuchten daher, die Bevölkerung dem christlichen Lebenswandel zurückzugewinnen. Dabei aber schufen sie sich viele Feinde. Vor allem der Schultheiß Mändle war ihnen nicht gut gesonnen.
Auf seinen Befehl nahm man sie gefangen und versuchte durch Folter, ja durch Androhung des Todes, sie von ihrem Vorhaben abzubringen. Als dies alles ohne Wirkung blieb, ließ man falsche Zeugen auftreten und die Jungfrauen der Hexerei bezichtigen. So kam es, daß sie trotz ihrer Unschuld zum Tode durch Verbrennen verurteilt wurden. Bevor man den Scheiterhaufen entzündete, sprach eine der Jungfrauen: »So gewiß wir unschuldig sind, so gewiß wird Vöhrenbach dreimal verbrennen!« Auch die anderen Jungfrauen sagten nacheinander Schlimmes voraus: Das Geschlecht der Mändle werde aussterben, das Stadtgericht verloren gehen, die Silbergruben und die Obstbäume würden nicht mehr ergiebig sein und schließlich würden die Kirchen zerfallen. Ungeachtet dieser Voraussagungen verbrannte man zuerst sechs Jungfrauen; die siebte aber verschonte man in der Hoffnung, sie ihrem christlichen Glauben abspenstig zu machen. In der folgenden Nacht sah diese Jungfrau ihre Gefährtinnen in der himmlischen Herrlichkeit und beteuerte darauf vor den Richtern, daß sie niemals von Jesus Christus lassen werde. Da ward auch sie verbrannt. Zuvor warf sie vom Scheiterhaufen aus einen Bund von sieben goldenen Schlüsseln auf die Erde und rief: »So gewiß bin auch ich unschuldig, als an dieser Stelle ein Brunnen entstehen wird, wohin ich die Schlüssel werfe. Darin wird alle sieben Jahre am Karfreitag vor Sonnenaufgang ein Fisch mit den Schlüsseln um den Hals erscheinen. Mit den Schlüsseln kann man eine Goldkiste öffnen. Aber nur der kann den Fisch sehen, der ganz rein ist von Sünden! « Da entsprang an dieser Stelle eine Quelle. Auch die übrigen Vorhersagen der Verurteilten gingen in Erfüllung.
jetzt steht da, wo die Jungfrauen verbrannten, ein Michaelskirchlein, man nennt es auch die Siebenfrauenkapelle. Darin ist auf einem Votiv die Verbrennung dargestellt. Zur Kapelle wie zu dem Brunnen, der Heilkraft besitzt, macht man Wallfahrten; besonders tun das junge Mädchen, die gewöhnlich zu siebt miteinandergehen. In dem Brunnen ist auch der Fisch mit den Schlüsseln zu der Goldkiste schon gesehen worden. Wo diese Kiste jedoch verborgen liegt, ist niemandem bekannt.
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Der Rottweiler Esel
Die Bürger von Rottweil fanden einst, als ihre Stadt noch eine freie Reichsstadt war, einen großen Kürbis auf dem Felde und hielten ihn für ein Ei. Allerdings vermochten sie nicht herauszubringen, was für ein Vogel es wohl gelegt haben könnte. Sie beschlossen daher, um Klarheit zu bekommen, daß der Bürgermeister es ausbrüten solle. Da half kein Weigern und Widerreden des Bürgermeisters, es wurde ihm einfach eine Frist gesetzt, in der er das Ei auszubrüten habe. Als nun nach Verlauf der bestimmten Zeit nichts Lebendiges zum Vorschein kommen wollte, beschloß man, das Ei, weil es vielleicht schon faul geworden, über die Mauer zu werfen. Und das tat man auch. Wie aber der Kürbis auf die Erde fiel und mit einem Knall zerplatzte, da sprang ganz erschreckt ein Hase, der an der Mauer geschlafen hatte, auf und davon, so daß man hätte glauben können, er sei aus dem Kürbis oder dem Ei herausgekommen. Die Rottweiler glaubten das auch steif und fest und schrien, als sie das langohrige Tier davonlaufen sahen: »Da schaut, ein Esel! « Seitdem führen die Rottweiler den Spottnamen Esel.
Ein Maler, der die Geschichte kannte, malte einen Esel auf die Stadtfahne von Rottweil. Bei seinem Werk malte er die Flucht Christi nach Ägypten mit Wasserfarben auf die Fahne, nur für den Esel benutzte er Ölfarbe. Als nun bei einer Prozession einmal ein heftiger Regen fiel, wurden die Wasserfarben verwischt und fast ausgelöscht. Nur der Esel allein blieb übrig.
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Das Mädchenkreuz im Freiburger Münster
Am Tage vor Fronleichnam hütete einst ein Mädchen auf dem Freiburger Schloßberg seine Rinderherde. Plötzlich fing eines der Tiere an, mit seinem Horn den Boden aufzureißen, und grub endlich eine silberne Scheibe heraus. Auf ihr war in erhabener Arbeit ein Kruzifix zwischen Maria und Johannes dargestellt. Das Mädchen rief Leute herbei, damit sie in der Stadt den Fund bekanntmachten. Bald erschien eine Prozession, um die Scheibe mit Kreuz und Fahne in das Münster zu bringen. Am Fundort errichtete man ein hölzernes Kreuz und sorgte zugleich für lebenslängliche Pflege des Tieres, das die Scheibe gefunden hatte. Das Mädchen ging, sobald es erwachsen war, ins Kloster. Weil man ihr das Scheibenkreuz verdankt, wird es bei Bittgängen stets den Mädchen vorangetragen und deshalb auch Mädchenkreuz genannt. Das hölzerne Kreuz auf dem Feld fiel dreimal dem Blitzschlag zum Opfer. Nach dem dritten Mal erbaute man weiter unten ein Kruzifix aus Stein.
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Ursprung der Zähringer
Die Sage ist, daß die Herzoge von Zähringen vor Zeiten Köhler sind gewesen, und haben ihre Wohnung gehabt in dem Gebirg und den Wäldern hinter Zähring dem Schloß, da es dann jetzund stehet, und haben allda Kohlen gebrennt. Nun hat es sich begeben, daß der Köhler an einem Ort im Gebirg Kohlen brannte, Grund und Erde nahm, und damit den Kohlhaufen, um ihn auszubrennen, bedeckte. Als er nun die Kohlen hinweg tat, fand er am Boden eine schwere, geschmelzte Materie; und da er sie besichtigte, da ist es gut Silber gewesen. Also brennte er fürder immerdar an dem Ort seine Kohlen, deckte sie mit demselben Grund und Erdboden, und fand aber Silber, wie zuvor. Dabei konnte er merken, daß es des Berges Schuld wäre, behielt es geheim, brannte von Tag zu Tag Kohlen da, und brachte großen Schatz Silbers zusammen.
Nun hat es sich damals ereignet, daß ein König vertrieben ward vom Reich, und floh auf den Berg im Breisgau, genannt der Kalserstuhl, mit Weib und Kindern und allem Gesinde, litt da viel Armut mit den Seinen. Ließ darauf ausrufen, wer da wäre, der ihm wollte Hülfe tun, sein Reich wieder zu erlangen, der sollte zum Herzoge gemacht, und eine Tochter des Kaisers ihm gegeben werden. Da der Köhler das vernahm, fügte sich's, daß er mit einer Bürde Silbers vor den König trat und begehrte: er wolle sein Sohn werden und des Königs Tochter ehelichen, auch dazu Land und Gegend - wo jetzt Zähringen, das Schloß, und die Stadt Freiburg stehet - zu eigen haben; alsdann wolle er ihm einen solchen Schatz von Silber geben und Überliefern, damit er sein ganzes Reich wieder gewinnen könne. Als der König solches vernahm, willigte er ein, empfing die Last Silbers, lind gab dem Köhler, den er zum Sohn annahm, die Tochter zur Ehe, und die Gegend des Landes darzu, wie er begehret hatte. Da hub der Sohn an und ließ sein Erz schmelzen, überkam groß Gut damit und baute Zähringen samt dem Schloß; da macht ihn der römische König, sein Schwäher, zu einem Herzogen von Zähringen. Der Herzog baute Freiburg und andre umliegende Städte und Schlösser mehr; und wie er nun mächtig ward, zunahm an Gut, Gewalt und Ehre, hub er an und ward stolz und frevelhaft. Eines Tages, so rief er seinen eignen Koch und gebot, daß er ihm einen jungen Knaben briete und zurichtete; denn ihn gelüste zu schmecken, wie gut Menschenfleisch wäre. Der Koch vollbrachte alles nach des Herrn Befehl und Willen, und da der Knabe gebraten war und man ihn zu Tische trug dem Herrn, und er ihn sah vor sich stehen, da fiel Schrecken und Furcht in ihn, und empfand Reu und Leid um diese Sünde. Da ließ er zur Sühne zwei Klöster bauen, mit Namen das eine zu St. Ruprecht, und das andere zu St. Peter im Schwarzwald, damit ihm Gott der Herr barmherzig verzeihen möge und vergeben.
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Das Bild am Schwabentor zu Freiburg
Am Schwabentor zu Freiburg ist an der Innenseite ein Bild angebracht. Es zeigte in seiner ersten Ausführung einen schwäbischen Bauern bei einem vierspännigen Wagen, neben dem eine Katze läuft. Beladen ist der Wagen mit zwei Fässern. Über das Bild gibt es zwei Erzählungen:
Ein Mann aus Schwaben brachte die zwei Fässer nach Freiburg. Die Fässer waren voll Gold, das für den Münsterbau bestimmt sein sollte. Aber als die Fässer geöffnet wurden, stellte sich heraus, daß sie Kieselsteine enthielten. Der Bauer brachte nun in Erfahrung, daß seine Frau - die Katze auf dem Bild - eine Hexe sei und die Verwandlung bewirkt habe. Der Zauber könne jedoch behoben werden, wenn er die Hexe in Stücke schlage. Ohne Bedenken tat er das, und sogleich befand sich wieder Gold in den Fässern.
Nach einer anderen Erzählung war ein reicher Schwabenbauer nach Freiburg gekommen, um die Stadt zu kaufen. Er hatte zu diesem Zwecke zwei Fässer voller Gold mitgebracht und fragte nun: »Was kostet's Städtli?« Daß es tausendmal mehr wert sei als sein Geld, setzte ihn in große Verwunderung, worüber ihn die Freiburger tüchtig auslachten. Noch mehr aber verspotteten sie ihn, als die Fässer geöffnet wurden und statt Gold Sand zum Vorschein kam. Die Frau des Bauers hatte nämlich das Gold aus den Fässern geleert, dafür aber Sand hineingefüllt und hierdurch bewiesen, daß in Schwaben auch gescheite Leut' zu finden sind.
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Der Drache am Schönberg
In uralter Zeit, als das Christentum noch nicht überall verbreitet war, flog ein feuriger Drachen über Ebringen hinweg und verschwand am südlichen Schönberg in einer Höhle. Daraufhin mußte dem Drachen von Zeit zu Zeit ein Menschenopfer dargebracht werden. Schließlich fiel das Los auch einmal auf die junge Tochter des Grafen auf der Schneeburg. Um diese Zeit aber wohnte am Fuß des Schönberges ein junger Ritter, der sich heimlich zum Christentum bekannte. Als er von dem schrecklichen Schicksal der Grafentochter hörte, beschloß er, den Drachen zu töten. Gut bewaffnet und furchtlos ritt er dem Untier entgegen. Und obwohl das Pferde vor dem feuerspeienden Drachen scheute, so gelang es ihm doch, seinen Speer mit starker Hand dem Ungetüm in den Rachen zu stoßen und es zu töten.
Zur Erinnerung an diese Tat wurden auf den Häusern zu Ebringen, über die der Drachen hinweggeflogen war, steinerne Kreuze errichtet. Einige davon sind noch vorhanden. Da der kühne junge Ritter, der von den Leuten von nun an als Heiliger verehrt wurde, Georg hieß, so nannte sich späterhin der Ort, wo er wohnte, St. Georgen.
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Das Kreuz von Oberried
Einst vor dreihundert Jahren holten drüben auf dem Rheinufer ein Knecht und eine Magd auf einem Wagen Futter, als sie plötzlich den Rhein herab einen eigentümlichen Gegenstand schwimmen sahen, der allmählich ans Ufer trieb. Sie gewahrten ein Kruzifix von sonderbarem Aussehen: Der lebensgroße Körper des Heilands sah aus wie eine Leiche, die lange im Wasser gelegen hatte. Sie zogen das Kreuz aus dem Rhein, banden es ihrer Kuh auf den Rücken und gingen damit ins nächste Dorf, um den Geistlichen um Rat zu fragen. Als sie im Dorf waren, brachten sie aber die Kuh gar nicht zum Stillstand, so daß der Pfarrer sagte, man solle das Tier mit dem Kreuz laufen lassen, wohin es wolle. So ließen sie also die Kuh weiterziehen und gingen mit ihr ostwärts durch Freiburg ins Dreisamtal nach Oberried, wo sie vor dem Kloster Halt machte. Man erkannte nun die Fügung Gottes und brachte das Kreuz in die Kirche, wo es dann aufgestellt und hoch verehrt wurde.
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Suggental
In den reichen Gold- und Silbergruben von Suggental arbeiteten an die fünfzehnhundert Bergleute. Das Tal stand so voller Häuser, daß die Katzen von der Elz bis zum obersten Hof auf den Dachfirsten gehen konnten. Auf der heutigen Schloßmatte erhob sich ein prächtiges Schloß, in dem wie auch im Dorf üppiger Reichtum, aber auch Hoffart und Verschwendung herrschte. Um die junge Schloßgräfin bewarben sich viele Freier; allein sie wollte nur den nehmen, der im Schloß einen gläsernen Weiher anlegen würde, so daß sie aus ihrem Bett die Fische darin schwimmen sehen könnte. Ein Hauptmann der Bergleute ließ sich durch diese schwere Bedingung nicht abschrecken und führte mit großer Mühe eine Wasserleitung von der Platte auf dem Kandel bis zum Schlosse, wo er den Weiher aus Glas anlegte. Daraufhin heiratete sie ihn. Bei der Hochzeit waren Übermut und Ausgelassenheit so groß, daß sie und die Gäste ausgehöhlte Brotlaibe als Tanzschuhe benutzten.
Währenddessen ging draußen der Pfarrer vorüber, um einen Kranken mit der »letzten Ölung« zu versehen. Als der Mesner das Glöcklein schwang, wollten einige mit dem Tanzen innehalten und niederknien, doch die Gräfin rief: »Was fragt ihr nach der Schelle, jede meiner Kühe hat auch eine! « Der Pfarrer versah den Kranken und kehrte mit dem Mesner wieder um. Der Kranke schickte bald darauf seinen Sohn ans Fenster, damit er nachsehe, ob am Himmel keine Wolke zu erblicken sei. Zuerst erschien nur eine kleine Wolke über dem Schwarzenberg, so groß wie ein Hut, dann aber wurde die Wolke so groß wie eine Wanne, dann wie ein Scheunentor. Da ließ der Vater sich geschwind auf den Luserberg tragen, denn er glaubte, Gottes Gericht breche jetzt über das Tal herein. Und wirklich hatte sich inzwischen ein kohlschwarzes Gewitter über dem Tal zusammengezogen, das sich jetzt mit grellen Blitzen und Donnerschlägen und einem ungeheuren Wolkenbruch entlud. Alle Gebäude außer der Kirche und dem obersten Hof wurden weggerissen, sämtliche Gruben zerstört, und von der ganzen Einwohnerschaft blieben nur ein alter Mann mit seinem Sohn und ein kleines Kind am Leben. Dieses Kind schwamm in seiner Wiege mitten in der Flut. Bei ihm war eine Katze, die das schwankende Schifflein im Gleichgewicht hielt, indem sie hin und her sprang, wie es gerade nötig war. Unterhalb Buchholz blieb die Wiege im Dolden einer Eiche hängen. Als das Wasser sich verlaufen hatte, holte man das Kind und die Katze herunter. Beide waren unverletzt. Weil aber niemand wußte, wer des Kindes Eltern waren, nannte man es nach dem Wipfel des Baumes Dold.





