Die Hexenversammlung bei Zavelstein
Zwei Musikanten aus Zavelstein spielten einmal in einem benachbarten Orte auf der Kirchweih und begaben sich nachts noch vor zwölf Uhr auf den Heimweg. Da begegneten ihnen zwei Reiter und forderten sie auf, sie sollten doch mit ihnen gehen. Das taten sie auch. Nicht lange darauf kamen sie in ein vornehmes Wirtshaus, wo Herren und Damen aus goldenen Bechern tranken. Die Spielleute bekamen gleichfalls wohlgefüllte goldene Becher vorgesetzt und mußten dann aufspielen, wozu die ganze Gesellschaft tanzte.
Als die Musikanten endlich müde wurden, sagten sie heimlich zueinander: "Wenn wir für unser Spielen nur einen einzigen solchen Becher bekämen!" Heimlich schob jeder bei günstiger Gelegenheit einen Becher in die Tasche. Bald darauf übermannte sie der Schlaf, und sie legten sich in einer Ecke des Zimmers zur Ruhe.
Als sie am andern Morgen erwachten, lagen alle oben am Hügel unter dem Galgen bei Weilerstadt. Anstatt der Becher aber hatte jeder den Huf eines Ochsen in der Tasche. Da erkannten die Spielleute, daß sie einer Hexenversammlung aufgespielt hatten, zerschlugen aus Ärger ihre Geigen und haben seit der Zeit nie und nimmer wieder aufspielen wollen.
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Hexentanz auf dem Heuberg in der Schwäbischen Alb
Auf dem Heuberger Buckel ist es nicht geheuer. Dort war eins ein uralter Tanzplatz der Hexen, wo sie jeweils in der Freitagnacht reitend zusammnenkamen. Gastgeberin war das "Heuberger Hexle", eine kleine Person mit gewaltigem Kopf, die alle Hexenkünste beherrschte : Wetterbrauen und Viehschlagen, Abwesende prügeln und Wahrsagen.
Einmal hörte ein Seebronner auf seinem nächtlichen Heimweg von Rottenburg schöne Musik auf dem Heuberger Turm. Verwundert stieg er hinauf. Im Innern des alten Gemäuers, in dem sonst nur Spinnen von Balken zu Balken ihre Netze webten, prangte ein herrlicher Saal; um köstlich gedeckte Tafeln saß eine vornehme Gesellschaft, andere tanzten zum Klang fröhlicher Musik. Auch der Seebronner wurde gastlich bewirtet und mit Wein und erlesenen Speisen traktiert, die aber nicht gesalzen waren. Lange schaute er vergnügt dem ausgelassenen Treiben zu, bis ihm plötzlich sein Heimweh wieder einfiel. "O Jeses, iatz muaß i aber hoam!" rief er erschrocken.
Kaum war ihm das Wort entfahren, da verschwand mit einem Schlag die ganze Herrlichkeit. Er selbst fand sich rittlings auf einem Balken sitzen; Leute, die auf seine Hilferufe herbeikamen, holten den Seebronner schließlich von seinem luftigen Sitz herunter.
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Das hochmütige Schloßfräulein von Steinen
In dem Schlößlein zu Steinen im Wiesental wohnten vor grauen Zeiten die Zwingherren der Gegend. Die Tochter des einen von ihnen fühlte sich so sehr über alles Irdische erhaben, daß sie nicht auf der bloßen Erde in die Kirche gehen wollte; sie ließ sich stets vom Schlößlein bis zum Kirchhof, ja über den Kirchhof selbst bis zum Gotteshaus einen Dielenweg legen, der mit Tuch und Taft bedeckt werden mußte. Aber ihr blieb das Los der Sterblichen nicht erspart: eines Tages wurde sie vom Tode dahingerafft.
Nachdem sie gestorben und mit großem Prunk beerdigt war, stand der Sarg am nächsten Morgen außen an der Kirchhofmauer und ebenso die zwei folgenden Tage, obwohl man ihn jedesmal wieder auf dem Gottesacker in die Erde bestattet hatte. Man lud nun den Sarg auf einen zweirädrigen Wagen, spannte zwei junge schwarze Stiere davor, die noch kein Joch getragen hatten, und ließ sie laufen, wohin sie wollten. Stracks gingen die Tiere auf den Häfnetbuck, wo sie im unwegsamen Wald an einer Quelle stehenblieben. Hier nun verscharrte man den Sarg. Jetzt endlich blieb er auch im Boden.
Das Fräulein aber findet keine Ruhe im Grab, und die Quelle heißt ihretwegen Junglernbrunnen. Bei Sonnenaufgang kommt es zum Brunnen, um sich zu waschen und zu kämmen. Aber auch Vorübergehende, die schmutzig und ungekämmt waren, hat das Fräulein schon gewaltsam in den Brunnen gezogen und dort mit derben Strichen gekämmt. Beim Schlößlein zeigte es sich bisweilen, wie die Sage erzählt, und pflegt dort im Bach ihr Weißzeug zu waschen.
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Das Hornberger Schießen
Das kIeine Dorf Hornberg im Schwarzwald wollte einstmals ein großes Schießen halten, machte gewaltige Zurüstungen und lud alle Welt zu diesemFest ein. Die Hornberger hatten wirklich auch für alles, was bei einem solchen Schießen erforderlich ist, wohl gesorgt. Nur eins hatten. sie vergessen, das Pulver.
Daher sagt, man, wenn eine mit viel Lärm angekündigte Unternehmung leer und erfolglos endet: "Das geht aus wie's Hornberger Schießen!"
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Die drei Jungfrauen vom Mummelsee bei Seebach
Nahe beim Mummelsee liegt das Schwarzwalddorf Seebach. Dort kamen, wie es an vielen Orten üblich war, an Winterabenden die Mädchen und Burschen des Dorfes in der Spinnstube zusammen. Eines Abends traten drei wunderschöne, weiß gekleidete Jungfrauen in die Spinnstube. Sie hatten hübsche Spinnräder bei sich und baten, mitspinnen zu dürfen. Man hieß sie freundlich willkommen.
Die fremden Mädchen trugen durch fröhliches Plaudern viel zur Unterhaltung bei. Doch früher als die Spinnerinnen aus dem Dorf machten sie sich wieder auf den Heimweg. Das bedauerten alle Burschen und Mädchen aus Seebach, am meisten der Sohn eines reichen Bauern, der sich in eine der fremden Jungfrauen verliebt hatte. Man bat die Mädchen, bald wieder zu kommen. Das taten sie auch.
Der verliebte Bursche hatte dann zur Vorsorge die Stubenuhr um eine Stunde zurückgestellt, damit die Mädchen länger bleiben sollten. Als es elf Uhr schlug, schickten sich die drei fremden Mädchen zum Aufbruch an. Unterdessen gestand ihnen der Bursche, daß er die Uhr eine Stunde zurückgestellt habe; darüber erschraken die drei Mädchen sehr. Sie schrien auf und eilten fort.
Am folgenden Tage bemerkte man im Mummelsee drei große Blutflecken. Oft hörte man von nun an auch Klagen, Jammern und Murmeln aus der Tiefe herauf. Den Mädchen war offenbar auf dem Grunde des Sees ein Leid zugestoßen, weil sie erst nach Mitternacht heimgekommen waren.
In der Spinnstube von Seebach sah man sie nie mehr.
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Die Wurmlinger Kapelle
Graf Anselm von Kalw hatte angeordnet, daß man ihn, sobald er gestorben sei, in seinem Sarge von zwei "ungewohnten Ochsen", die noch nie einen Wagen gezogen hätten, sollte fortfahren lassen, und zwar ohne Kutscher. Wo die Ochsen dann stillstünden, dort solle man eine Kapelle bauen und alljährlich den Stiftungstag durch eine heilige Messe und durch ein großes Festessen, das er selbst genau vorgeschrieben hatte, feiern. Dieses Fest wurde später stets am Dienstag nach der großen Kirchweih abgehalten.
Der letzte Wille des Grafen wurde genau vollführt. Zwei junge Ochsen fuhren allein mit seiner Leiche von Kalw ab und standen erst auf dem jetzigen Remigiusberge bei Wurmlingen still. Dort wurde dem heiligen Remigius zu Ehren eine Kapelle erbaut, die zwar im Dreißigjährigen Kriege von den Schweden niedergebrannt, später aber wieder hergestellt wurde.
Heute ist sie allgemein bekannt durch das Gedicht von Uhland: "Drohen stehet die Kapelle."
Auf dem Heimenstein im Neidlinger Tal hauste einst der Riese Heim. Als er eines Morgens aufgewacht war und sein zottiges Haupt zur Höhle hinausstreckte, bekam er plötzlich Lust, auf einem Felsen auf der anderen Talseite ein Schloß zu erbauen. Mit einem einzigen Riesenschritt erreichte er den Felsen an der gegenüberliegenden Talwand. Von dort aus rief er mit dröhnender Stimme ins Tal hinab: "Ihr Menschenzwerglein, wer von euch arbeiten will, der soll zu mir heraufkommen und mir mein Schloß bauen helfen!"
Da erschienen Maurer und Zimmerleute, Steinhauer und Schlosser und nahmen die Arbeit freudig auf. Denn der Riese hatte Gold in Fülle und versprach reichlichen Lohn. Bald stand das Schloß fertig da und schaute stolz vom Reußenstein ins Tal hinab. Bald zeigte sich auch der Riese und beschaute das Werk. Alles war in schönster Ordnung, es gefiel ihm über die Maßen. Nur außen am obersten Fenster im höchsten Turm fehlte noch ein Nagel. Unwillig erklärte er: "Keiner soll seinen Lohn bekommen, ehe der letzte Nagel eingeschlagen ist." Aber niemand wagte es, die schwindelnde Höhe zu erklimmen und den Nagel einzuschlagen. Schließlich versprach der Riese dem Mann, der dies wage, noch besonders reichen Lohn.
Da war ein armer junger Schlossergesell aus Neidlingen, der liebte heimlich seines Meisters Tochter. Der Meister wollte sie ihm aber nicht geben, weil ihm der Junge nicht vermögend genug war. Darob brach diesem schier das Herz, und das Leben war ihm verleidet. Da dachte er: "Du solltest doch den Nagel einschlagen, vielleicht gelingt es dir; stürzest du hinab, nun dann ist dein Herzeleid vorüber." So meldete sich der Schlosser bei dem Riesen.
Als dieser den mutigen Burschen auf den Turm steigen und ans Fenster treten sah, um hinauszusteigen und den Nagel einzuschlagen, hatte der Riese seine herzliche Freude an ihm, packte den Gesellen fest beim Genick und hielt ihn mit Riesenkraft in die Luft hinaus, so daß der Bursche die Hände frei hatte und unbehindert arbeiten konnte. Als das Werk getan war, lobte der Riese den wagemutigen Gesellen:
"Zwerg, das hast du brav gemacht!" und beschenkte ihn reichlich, so daß er nunmehr um seines Meisters Tochter werben konnte und sie zur Frau bekam.
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Käsperle von Gomaringen
Kaspar oder Käsperle war ein Vogt in Gomaringen und soll die Gemeinde um viele Ländereien betrogen haben. Deshalb mußte er nach seinem Tode umgehen und spukte in einem Hause unweit des Dorfes. Dort ist er oftmals in seiner weißen Zipfelmütze mit weißen Strümpfen und Schnallenschuhen und mit der Pfeife im Mund gesehen worden. Er klopfte und polterte im ganzen Hause so arg, daß niemand mehr darin wohnen wollte und man es am Ende einem Schreiner umsonst überließ. Besonders unruhig zeigte er sich, als einmal die Frau des Schreiners ein Kind bekam. Er nahm ihr öfters das Kleine weg und trug es unters Bett, tat ihm aber nichts zuleide. Am ärgsten aber lärmte er um Weihnachten. Da sprang er in der Viehkrippe hin und her, daß die Kühe vor Angst brüllten, worüber er jedesmal laut lachte. Ferner band er das Vieh verkehrt an, knüpfte zwei Rinder an einen Strick zusammen und trieb ähnlichen Unfug. Wenn er es zu toll machte, rief der Hausherr wohl: "Jetzt bist aber still!" Dann ging's eine Weile gut. Aber bald unternahm er aufs neue seine Streiche, zog den Knechten, die Futter schneiden wollten, das Heu und Stroh aus der Schneidlade (Strohstuhl), während sie das Messer wetzten, und tat ihnen einen Schabernack um den andern. Um die Jahreswende ging er auch aufs Feld und klopfte beständig an einem Markstein herum, den er wahrscheinlich versetzt hatte. Auch führte er eine große Schnupftabaksdose bei sich, die wie grünes Moos aussah, und hielt sie den Leuten hin. Wollte aber jemand zulangen und eine Prise nehmen, so zog er sie schnell wieder zurück.
Als das Haus schließlich abgebrochen und das Holz nach Gomaringen geführt wurde, spottete man über den Käsperle, der nun allein zurückbleiben müsse. Aber als der letzte Wagen mit Holz abfuhr, saß Käsperle obendrauf, wovon der Wagen so belastet wurde, daß er sich ganz bog, als ob er jeden Augenblick zusammenbrechen wollte. In Gomaringen wagte niemand, den Wagen abzuladen, bis der Geist fortgesprungen war. Sobald aber das Holz verbaut war, stellte sich auch Käsperle im neuen Hause ein und trieb darin sein Unwesen fort, bis sein Grab geöffnet und er unverwest darin gefunden wurde. Da begrub man ihn zum zweitenmal in Gomaringen. Seitdem ist er nicht mehr gesehen worden und wird nun gewiß erlöst sein.





