Die Wetterglocke in Weingarten
In Weingarten hängt eine große Glocke. Drei Mann braucht man, um sie zu läuten. Die St. Galler wollten sie einmal kaufen. Sie boten so viel Kronentaler, als man von St. Gallen nach Weingarten aneinander legen könnte. Die Weingarter gaben die Glocke nicht her. Da kamen die von St. Gallen, stahlen die Glocke und brachten sie bis Friedrichshafen, dann aber keinen Schritt weiter. Unterdessen schlug das Wetter in Weingarten alles zusammen. Die St. Galler hätten die Glocke deswegen so gern gehabt, weil, sooft man in Weingarten die Glocke zog, die Gewitter von Weingarten weg alle in die Schweiz zogen.
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Gespenstische Hunde
In der Tettnanger Gegend wissen die Leute viel vom Klushund zu erzählen. Man sieht ihn nachts feurig an den Ufern des Sees bis nach Bregenz hinfahren. Seine Zeit ist in den heiligen Nächten.Bei Untermarchtal ging vor Zeiten in den heiligen Nächten ein feuriger Hund um. Er lief hinter den Leuten her und sprang zuletzt an ihnen hinauf.Zwischen Schemmerberg und Altheim ging der sogenannte Brühlhund um, der den Leuten gern auf dem Rücken saß und sich tragen ließ.
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Die weiße Frau bei Gießen
In der Nähe des Schlosses Gießen, das in dem gleichnamigen Weiler nicht weit von Tettnang liegt, zeigte sich den Knechten oft, wenn sie auf dem Felde arbeiteten, eine wunderschöne weiße Frau. Sie brachte ihnen Brot und allerlei Gutes zu essen und reichte ihnen außerdem dazu silberne Messer und Gabeln. Sie war sehr freundlich, und die Knechte unterhielten sich gern mit ihr. Einmal jedoch stahl ihr einer der Knechte ein silbernes Messer. Seitdem ist sie nicht wiedergekommen.
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Das Kruzifix auf der Mainau
Als die Schweden die Insel Mainau im Bodensee eingenommen hatten, luden sie das Kruzifix und die beiden Schächer aus Erz, welche nahe der Insel im. See standen, auf einen Wagen und fuhren damit fort. Aber bei Lützelstetten blieb der Wagen plötzlich stehen und war nicht mehr von der Stelle zu bringen, obgleich die Schweden zuletzt zwölf Pferde davor gespannt hatten. Sie ließen ihn daraufhin mit seiner Ladung stehen. Einige Bauern führten den Wagen wieder zurück. Sie hatten mir zwei Pferde vorgespannt, und der Wagen lief wie von selbst. Sie stellten das Kruzifix nebst den Schächern am alten Platz wieder auf.
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Der wiedergefundene Domschatz
Als die Stadt Konstanz eine Zeitlang den zwinglianischen Glauben angenommen hatte, wurden alle Kleinodien und Kirchengeräte in eine Truhe zusammengeschüttet und an einem geheimen Ort im Kreuzgang vergraben. Das dauerte so an die zwanzig Jahre, und kein Mensch wußte mehr etwas davon. Nun lebte noch ein Domherr, Herr Melcher von Bubenhofen, dem ist in einer Nacht der Ort im Kreuzgang, wo die Heiligtümer verborgen lagen, im Traum ganz deutlich erschienen. Er erzählte davon im Kapitel und setzte durch, daß danach gegraben wurde. Man fand auch wirklich die Truhe und in ihr den Domschatz wieder.
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Meersburg
Meersburg am Bodensee steht nach der Sage auf dem Wasser. Nur eine dünne Erdschicht trennt die Straßen und Plätze vom Wasser. So wollte einmal jemand einen Brunnen graben, da aber brach das Seewasser aus der Tiefe hervor. Kommt einmal ein großes Erdbeben, dann fällt Meersburg ins Wasser.
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Spuk am Kiliweiher
Etwa eine halbe Stunde vom früheren Kloster Salem entfernt liegt der Kiliweiher mit einer Insel, auf der sich ein Jägerhaus mit Kapelle befindet. Dicht am Ufer des Weihers zieht sich die Landstraße hin. Oft wurden hier nachts Lichter gesehen, die auf dem Wasserspiegel tanzten, besonders in der St.-Andreas- und St.-Nikolaus-Nacht. Dann konnte es geschehen, daß Leute, die um diese Zeit am Kiliweiher vorübergingen, neben sich schwarze Gestalten sahen, die sie bis an das Ende des Weihers begleiteten.
Manchen Personen gesellte sich auch ein schwarzer Mann ohne Kopf zu, mit einem Stecken in der Hand, der wieder verschwand, wenn sie am Weiher vorbei waren. Oder ein Wanderer spürte im Vorübergehen plötzlich eine schwere Last auf seinem Rücken. Einmal schritten zwei Männer längs des Ufers hin; da war es dem einen, als ob er zu Boden gedrückt würde. Er stöhnte, fing an zu schwitzen und konnte nicht weiterkommen. »Komm doch!« rief ihm sein vorangehender Gefährte zu, »komm in Gottes Namen!« Da war derselbe von seiner Last mit einem Schlag befreit und konnte erleichtert weitergehen.
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Das Grab des Hunnenkönigs
Im Überlinger Wald Sigmundshau steht in der Nähe des uralten Hofes Höllwangen ein kegelförmiger Berg, der von einem Erdwall umgeben ist. Wenn man auf dem Gipfel des Berges steht, tönt es im Berginnern, als ob der ganze Berg hohl wäre. In diesem Berg liegt das Grab des Hunnenkönigs. Der Leichnam ruht in einem Diamantsarg, der wieder von einem goldenen Sarg umgeben ist; der goldene Sarg aber befindet sich in einem silbernen Sarg, der silberne in einem kupfernen, dieser in einem zinnernen; dann folgt ein eiserner und zuletzt ein eichener Sarg. So ist die Leiche des Königs in sieben Särgen verwahrt. Niemand aber kann die rechte Stelle finden, obgleich schon da und dort nachgegraben wurde.
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Der Geist der Gunzoburg
In der Oberstadt Überlingens, dem sogenannten Dorf, steht ein altes Haus, das die Burg heißt. Hier soll der Alemannenherzog Gunzo gewohnt haben. Eine Inschrift im Torbogen des Hauses lautet: »In dieser Burg residierte im Jahre 641 Gunzo, Herzog von Schwaben und Alemanien. «
In früheren Zeiten erschien den Hausbewohnern bisweilen ein großer, über sechs Fuß hoher schwarzer Ritter mit geschlossenem Visier. Er kam plötzlich und verschwand ebenso wieder. Er begegnete auch manchen Leuten hinter dem Haus im Burggäßchen, verfolgte sie und warf sie in den Stadtgraben hinab. Als aber unter die Dachtraufe an der unteren Hausecke gegen das Gäßchen zu ein Kreuz unter einen Haufen Ziegelsteine gelegt worden war, konnte der Geist nicht mehr herunterkommen. Im Hause jedoch zeigte er sich noch von Zeit zu Zeit, So kam er abends einmal in das Zimmer, wo die Frau des Hausherrn bereits im Bette lag. Die Tür öffnete sich geräuschlos, ein gewaltiger schwarzer Ritter mit unkenntlichem Gesicht trat herein, in der Hand ein Kohlengefäß, aus dem die Feuerfunken sprühten. Nachdem er im Zimmer umhergegangen war, beugte er sich über das Bett und schüttete das Becken über dem Bett aus, so daß die glühenden Kohlen auf die Bettdecke fielen und dort liegen blieben. Sie richteten jedoch nicht den geringsten Schaden an. Die Frau aber gebar bald darauf ein Kind mit schwarzen Brandmälern.
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Unterirdische Schätze
Überlingen war einst eine freie Reichsstadt und wohlversehen mit Türmen, Mauern und Gräben. Manch alter Turm steht noch, manche Überreste der einstigen Schutzmauer sind noch vorhanden. Mitunter trifft man auch eingefallene Gewölbe oder zugemauerte Tore, die dereinst in unterirdische Gänge führten, deren es viele gab; denn die einzelnen Festungstürme sollten so mit anderen wichtigen Stellen der Stadt Verbindung haben. Am Barfüßertor in der Nähe der Bestlemühle war ebenfalls eine Maueröffnung, die zu einem Gang führte, durch den man in die ehemalige Burg des Alemannenherzogs Gunzo gelangen konnte. Andere Gänge sollen sich bis hinab zum See erstrecken. In diesen Gängen seien seit undenklichen Zeiten ungeheuere Schätze angehäuft worden, und zwar in solcher Menge, daß die Stadt, wenn sie dreimal verbrennen sollte, dreimal wieder aufgebaut werden könnte. Nur der Rat der Stadt kannte die Stellen, wo die Schätze lagen.





