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Herzlich willkommen beim Team Paranormaler Forschung 

Baden - Württemberg

   

Poppele neckt einen Müller

 

Zu einem Müller aus Radolfzell, der eines Abends vom Möhringer Fruchtmarkt heimfuhr, gesellte sich unter der Burg Hohenkrähen ein armselig gekleideter Wanderer und bat, bis Singen auf dem Wagen mitgenommen zu werden, was ihm der Müller auch bewilligte. Kurz vor Singen mußte der Müller einmal absteigen, wobei er mit Schrecken bemerkte, daß der Geldgurt, den er um den Leib trug, ganz leicht und leer geworden war. Argwöhnisch blickte er den Wanderer an, aber der sagte nur so nebenhin: »Ich habe das Geld nicht; geht einmal ein paar Schritte zurück, vielleicht findet Ihr es wieder.«

Da schaute sich der Müller um und sah im Mondlicht vor sich auf dem Weg einen Taler liegen; unweit davon fand er einen zweiten und einige Meter weiter einen dritten. Hierüber lachte der Wanderer laut auf und war plötzlich verschwunden. Da merkte der Müller, daß er es mit dem Poppele, dem Spukgeist von Hohenkrähen, zu tun hatte.

In Singen stellte er sein Fuhrwerk ein und ging suchend auf der Landstraße eine gute Stunde weit zurück. Da fand er nach und nach alle seine Taler, den letzten morgens um fünf Uhr, an der Stelle, wo er den Poppele auf den Wagen genommen hatte.

 

~*~

 

Der Schmied von Hechelbach

 

Der Schmied von Hechelbach war sein Leben lang ein heiterer Geselle und steckte stets voller Listen und Schalkheiten. Er trank auch oft über den Durst und vollführte dann manchmal dumme Streiche. Da geschah es, daß er starb und im Jenseits an die Himmelspforte klopfte.

"Wer bist du?" fragte Petrus, der Himmelspförtner.

"Ich bin der Schmied von Hechelbach und bitte um Einlaß in den Himmel."

Da schlug Petrus das große Buch auf, in dem alle Taten der Menschen verzeichnet stehen, und las nach. Aber je länger er las, desto unwilliger schüttelte er den Kopf und sprach zuletzt: "Fort mit dir! Für Leute deines Schlages gibt es im Himmel keinen Platz."

Doch der Schmied von Hechelbach war keiner von denen, die sich so leicht abweisen lassen, und darum hatte er auch hier sogleich eine List zur Hand. Er stellte sich recht einfältig, gab dem Heiligen freundliche Worte und fragte zuletzt, ob er nicht wenigstens für die guten Handlungen, die er in seinem Leben vollbracht habe, einen Augenblick durch den Türspalt in den Himmel hineinblicken dürfe.

Weil der Schmied gar so inständig flehte, wollte Petrus nicht verschlossen bleiben und gestattete es. Kaum aber hatte er die Tür ein wenig geöffnet, so warf der Schmied flink sein Käpplein durch den Türspalt in den Himmelssaal hinein, stellte sich aber so, als wäre es ihm unversehens und vor lauter Staunen über die himmlische Pracht entfallen. Darüber fing er nun zu jammern an und bat, ob er es nicht schnell wieder herausholen dürfe. Petrus erlaubte es ihm.

Sobald aber der schlaue Schmied zur Tür hineingeschlüpft war, setzte er sich im Himmelssaal auf sein Kapplein und sprach:

"Jetzt sitz i auf meinem Gurt, will seah, wer weg mi duet."

Im Himmel gibt es nun weder Streit noch Zank, auch keine Gewalttätigkeit. Weil man aber ohne solche den Schmied nicht mehr hätte herausbringen können, und da er auch wirklich auf seinem Eigentum saß, so konnte Petrus nichts anderes tun, als über den schlauen Schmied lachen und ihn auf seinem Platze lassen.

So also ist der Schmied von Hechelbach doch in den Himmel gekommen

~*~

Die schöne Melusine und das Schloß Staufenberg

 

Im Schloß Staufenberg unweit des Weinortes Durbach wohnte einst ein Amtmann, dessen Sohn Sebald Vogelsteller war. Als der Jüngling wieder einmal im Stollenberger Wald seine Liebhaberei betrieb, hörte er einen lieblichen Gesang. Er ging bergauf den klangvollen Tönen nach. Da erblickte er im Gebüsch ein wunderschönes Weib. Flehend schaute es den herantretenden Jüngling an und rief: "Schon lange harre ich deiner. Ich bin verwünscht. Erbarme dich meiner und erlöse mich! Du brauchst mich nur dreimal dreifach zu küssen, dann bin ich erlöst."

Auf Sebalds Frage, wer sie sei, antwortete die Waldfrau: "Ich heiße Melusine und habe einen großen Brautschatz. Wenn du mich erlöst, bin ich mit meinem Schatze dein. Du mußt mich drei Morgen hintereinander, früh um neun Uhr, auf beide Wangen und den Mund küssen. Dann ist die Erlösung vollbracht. Fürchte dich nicht, besonders nicht am dritten Tag!"

Melusine trat dann aus dem Busch hervor, und Sebald konnte sie genau betrachten. Sie war sehr schön, blond und hatte blaue Augen, aber keine Finger. Statt ihrer sah man eine trichterförmige Höhlung und an Stelle der Beine Fischschwänze. Sebald gab ihr zunächst die ersten drei Küsse. Darüber war Melusine sehr erfreut und bat ihn, am zweiten und dritten Tag ganz bestimmt wiederzukommen. Dann kroch sie in ihren Busch zurück und sang:

Kommt und erlose deine Braut, Hüte dich wohl zu erschrecken! Sebald, nimm dich wohl in acht! Einmal war es recht gemacht.

Nun verschwand sie, Sebald ging heim, sagte aber nichts von seinem Erlebnis. Am andern Morgen eilte er in den Stollenberger Wald; Melusine sang wie tags zuvor, und er näherte sich ihr. Diesmal hatte sie jedoch Flügel und einen Drachenschweif. Trotzdem trat er furchtlos auf sie zu und küßte sie dreimal. Sie bedankte sich wieder wie am ersten Tag und versank in die Erde. Am dritten Tag hatte sie einen scheußlichen Krötenkopf, und ein Drachenschwanz umschlang furchtbar ihren Leib. Da erfaßte Sebald ein Grauen vor dem giftdräuenden Ungeheuer, und er rief abwehrend: "Kannst du dein menschliches Antlitz nicht entblößen, so kann ich dich nicht küssen."

"Nein!" rief Melusine und streckte mit lautem Schrei ihre Arme nach ihm aus. Da floh Sebald, von Entsetzen gepackt, den Berg hinunter. Atemlos kam er bei seinem Vater in der Burg an. Als er nun sein Erlebnis erzählte, wurde er vom Vater wegen seiner Furchtsamkeit gescholten.

Zwei Jahre vergingen. Sebald suchte den Stollenberger Wald nicht mehr auf, denn er fürchtete die Rache der von ihm betrogenen Waldfrau. Auf Wunsch seines Vaters heiratete er die Tochter eines Amtsvogtes. Die Hochzeit wurde im Schloß Staufenberg abgehalten. Als aber die Gesellschaft fröhlich beim Schmause saß, spaltete sich die Decke des Saales, und ein Tropfen fiel auf Sebalds Teller. Sebald aber hatte es nicht bemerkt und aß weiter. Da fiel er plötzlich tot nieder. Zu gleicher Zeit zog sich ein kleiner Schlangenschwanz in die Decke zurück.

So rächte sich die verzauberte Melusine an dem Mann, der ihre Hoffnung auf Erlösung enttäuscht hatte.

 

~*~

 

Das Schrättele von Obersdorf im Allgäu

 

In Obersdorf im Allgäu lebte einst ein Bursche, der des Nachts oft von einem Schratt geplagt wurde. Obgleich er am Abend seine Kammer gut verschloß und selbst das Schlüsselloch zustopfte, kam der Schratt doch immer wieder. Da suchte der Junge die Kammerwand ab und fand in einem Brett ein kleines Astloch.

Als nun der Schratt bei Nacht wieder kam, steckte der Jüngling einen Zapfen in das Astloch, damit der Schratt gefangen sei und nicht mehr hinaus könne. Gleichzeitig warf er ein Kissen auf den Boden.

Am andern Morgen saß ein schönes Mädchen auf dem Kissen. Sie wußte nicht, wer sie sei und woher sie komme. Da sie aber einen guten Eindruck machte, behielt man sie als Magd im Haus. Sie war stets fleißig und brav, und darum gefiel sie den Leuten gut, vor allem dem Sohn. Der nahm sie bald zu seiner Frau.

Beide lebten lange Zeit glücklich miteinander, wenn auch das junge Weib wie an einem heimlichen Gram litt. Da fragte sie ihr Mann eines Tages, warum sie denn so traurig sei. Die Frau antwortete: "Wenn ich nur wüßte, wer ich bin, woher ich stamme und wie ich in dieses Haus gekommen bin."

Nun führte sie der Mann in die Kammer, zeigte ihr das Astloch und zog das Zäpflein heraus mit den Worten: "Sieh, da bist du hereingekommen."

Kaum hatte das Weib diese Worte gehört, da fuhr es durch das Astloch hinaus, und das Schrättele kehrte niemals wieder.

 

~*~

 

Die Wallfahrt zweier Schwaben nach Compostella

 

Zwei Schwaben, Vater und Sohn, machten sich einst auf, um das Grab des heiligen Jakonus in Compostella, Spanien, aufzusuchen. Sie waren gegen die Unbill des Wetters ausgestattet, wie es für Jakobsbrüder üblich war. Nach langer Wanderung kamen sie endlich in das St.-Jakobs-Münster. In der Stadt fanden sie bei einem Wirt Herberge. In ihrer Meinung, die fromme Einfalt, die ihnen aus ihrer Heimat etwas Selbstverständliches war, sei überall zu finden, vor allem in einer so frommen Stadt, sollten sie sich gründlich täuschen. Der Wirt war sehr freundlich, so daß sie volles Vertrauen zu ihm hatten. In ihrer Harmlosigkeit zählten sie in seiner Gegenwart ihr Reisegeld. Den Wirt aber lockten die Gold- und Silbermünzen, und er sann nach, wie er sie an sich bringen könnte.

Die Wallfahrtszeit war um, und die zwei Schwaben machten sich auf den Heimweg. Sie waren noch nicht weit von Compostella entfernt, da wurden sie von bewaffneten Reitern angehalten. Unter ihnen war auch ihr Gastwirt, die andern waren Polizisten. Man warf den Wallfahrern vor, sie hätten dem Wirt einen goldenen Becher gestohlen, und durchsuchte ihr Gepäck. Tatsächlich fand sich der goldene Becher im Ranzen des Vaters.

Die Schwaben wurden nach Compostella zurückgebracht und vor Gericht gestellt. Der Vater wurde zum Tod verurteilt. Doch der Sohn bat den Richter, an Stelle seines Vaters gehenkt zu werden; denn ohne den Vater gerate die Familie in größtes Elend. Nach langer Beratung nahm der Richter das Anerbieten des Sohnes an: die Strafe wurde vollzogen.

Traurig trat der Vater den Heimweg an, der ihn am Galgen vorbeiführte. Noch einmal schaute er zu seinem jugendlichen Sohn hinauf. Siehe, dieser lebte noch. Vater und Sohn konnten miteinander reden und sprachen die Hoffnung aus, Gott werde auf die Fürbitte des heiligen Jakobus ihnen doch noch helfen. Eilends lief der Vater zum Richter. Als er mit diesem am Wirtshaus vorbeikam, wo beide gewohnt hatten, betraten sie, einer inneren Stimme folgend, die Schenke; der Wirt saß gerade wohlgefällig beim Essen. Vor ihm stand der goldene Becher mit Wein, auf einer Platte lagen gebratene Tauben.

Als der Schwabe erzählte, daß er soeben beobachtet habe, sein Sohn lebe noch, lachte der Wirt laut und meinte: "Du Narr, dein Sohn lebt so wenig, als diese Tauben hier fliegen können."

Im selben Augenblick flogen die gebratenen Tauben von der Platte weg in die Höhe und zum Fenster hinaus. Nun war auch der Richter von der Unschuld der beiden Schwaben überzeugt. Er ließ sofort den Sohn vom Galgen herunterholen. Der Wirt aber wurde vor Gericht gestellt, für schuldig befunden und zur gleichen Strafe verurteilt.

Vater und Sohn dankten Gott und dem heiligen Jakobus für ihre Hilfe und machten sich auf den Heimweg. Zu Hause ließen sie den ganzen Vorgang in zwanzig Einzelbildern auf eine große Wandtafel malen. Diese ist, wenn auch ziemlich beschädigt, in der Kirche "Maria unter der Ecke", nicht weit von Peutingen, heute noch erhalten.


   
   

   

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