Hausversicherung gegen Hexen
Ein Tübinger Bürger konnte keine Kuh gesund im Stall behalten. Schon nach wenigen Wochen zehrte sie jedesmal so ab, daß er sie schnell um jeden Preis verkaufen mußte, wenn er sie nicht ganz verlieren wollte. Sobald aber die Kuh aus dem Stall war, erholte sie sich gleich wieder.
Endlich ließ der Bauer seinen Kuhstall gegen Hexen versichern. Und das ging so zu: Ein Hexenbanner vergrub unter allerlei Beschwörungen einen Hund, der noch geschlossene Augen hatte, hinter der Türschwelle des Stalles. Die Stelle bedeckte er mit einem Brett. Außerdem wurde ein beschriebenes Stück Papier an einer Stallwand befestigt. Sodann riet der Banner dem Besitzer, er solle der größeren Sicherheit wegen immer nur schwarze Kühe halten, daneben auch einen schwarzen Bock, dessen Geruch den Hexen zuwider sei. Und seitdem er das alles getan hatte, blieben seine Kühe gesund.
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Die alte Urschel
Seit vielen hundert Jahren lebt eine verwünschte Frau im Urschelberg bei Pfullingen; man nennt sie nur die alte Urschel. Sie erscheint manchmal in schwarzen, manchmal in weißen Kleidern. Immer hat sie einen Schlüsselbund an der Seite.
Vor etwa zweihundert Jahren lebte zu Pfullingen ein Bursche namens Michael Weiß. Der fand als Knabe einmal am Fuße des Berges ein Pferdekummet. Er nahm es auf, aber sogleich verwandelte es sich unter seinen Händen in die Urschel aus dem Berg. Sie war von kleiner, zierlicher Gestalt, trug einen Schlüsselbund und begleitete von nun an den jungen Burschen, wenn er auf dem Urschelberg erschien. Kam er mit Wagen und Pferden, so bremste sie bei der Abwärtsfahrt den Wagen, indem sie sich ins Rad stellte, und zwar von der Steig am Urschelhohberg bis nahe vor Pfullingen. Sie sprach auch mit dem Burschen und erzählte ihm mancherlei. Das ging so, bis der Michel verheiratet war und schon vier Kinder hatte. Eines Tages sagte sie zu ihm, sie sei von ihrer Schwester hierher verwünscht worden, und er sei ausersehen, sie zu erlösen. Sie werde ihm erscheinen halb als Schlange, halb als Jungfrau, und dann müsse er sie küssen. Darauf werde ein schwarzer Pudel seinen Rachen gegen ihn aufreißen, aber das habe nichts zu bedeuten. Sie werde ihm eine Rute reichen, und er könne damit den Pudel, der auf einer Kiste sitze, leicht vertreiben. Das Geld in der Kiste gehöre dann ihm. Auch werde über seinem Haupt ein Mühlstein an einem Zwirnsfaden hängen, allein auch das sei nicht gefährlich, wenn er nur still halte und sich überhaupt nicht muckse; wenn er aber einen Laut von sich gebe, sei er verloren.
Michel erschrak zuerst über diese Ankündigung, dann machte er eine Bedingung und sagte, er wolle das alles nur tun, wenn seine Eltern mitkämen. Das wollte jedoch die Urschel nicht zugeben, und so unterblieb die Erlösung. Die Urschel setzte ihm noch eine Zeitlang zu mit Bitten und Flehen; dann sagte sie ihm schließlich, daß er auf alle Fälle zu einer bestimmten Zeit sterben müsse, er möge sie nun erlösen oder nicht. Trotzdem war Michel nicht mehr umzustimmen und starb genau an dem Tag, den die Urschel vorausgesagt hatte. Da soll sie bitterlich geweint und gesagt haben, wenn ein Hirsch eine Eichel in den Boden trete und aus der Eichel ein Baum und aus dem Holz des Baumes einmal eine Wiege werde, so könne das erste Kind, das da hinein komme, sie einmal erlösen.
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Die weiße Frau zu Gutenberg
Im Schloß zu Gutenberg am Neckar, dem Michelsberg gegenüber, erschien früher eine weiße Frau. Sie war weiß und runzlig und sah sehr alt aus. Sie schlich nur so umher. Den Mägden half sie bei der Arbeit, namentlich beim Waschen, aber nur, wenn diese recht fleißig waren. Manchmal sah sie auch nur ruhig zu. Niemanden tat sie etwas zuleide. Doch zuweilen sprang sie auch wohl einer Magd, wenn diese gerade backen wollte, ins Genick, war aber nicht schwer. Nachts hörte man sie in den Gängen Brennholz vor den Ofen werfen. Am Morgen aber war alles wieder verschwunden. Einem Knechte, der ihr einmal nachsah, nahm sie mehrmals die Bettdecke weg und trug sie in eine Ecke des Zimmers. Des Morgens schlich sie immer in das Waschhaus und verschwand da in einer Ecke. Der Schloßherr ließ hier einmal nachgraben, und man stieß auf die Gebeine eines erwachsenen Menschen und eines Kindes. Die gehörten zur weißen Frau und ihrem Kinde, das sie umgebracht hatte. Hier waren beide einmal beerdigt worden. Man brachte die letzten Überreste auf den Friedhof, begrub sie ordentlich, und seitdem spukte die weiße Frau nicht mehr.
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Der Zauberstein im Blautopf
Man findt gleichwol, daß vor viel Jahren, als die Grafen von Helfenstein das Stättlin Blaubeuren samt der ganzen Herrschaft noch ingehapt, daß zwen Gebrüder des Geschlechts der Grafen von Helfenstein einstmals miteinander zu dem Ursprung und Bronnen der Blau spazieren gangen und der ein unter ihnen ein Stein allernächst dem Ursprung von manicherlei Farben ersehen (hat). Den hat er ufgehept und besehen. Wie das geschehen ist, ist der dem andern Bruder user den Augen kommen, derhalben (ihm dieser) gerufen, wo er so bald hinkommen. Der hat ihm geantwurt. Wie er ihn aber noch nit gesehen, aber wohl gehört, daß er allernächst bei ihme sei, do hat er sich noch mehr verwundert und dem Bruder bekennt (gesagt), er höre ihn wohl, kunnte ihn aber nit sehen und begehrt (zu wissen), womit er solches zuwege bring. Do hat ihm der Bruder den Stein auch in die Hand geben, also hat er auch nit gesehen.
Wie sie nun beide vermerkt, daß die Kraft von dem Steine her reich, do haben sie nach langer Beratschlagung, was sie mit diesem Stein, als einem köstlichen Kleinat (Kleinod), anfahen wellten, sich dahin entschlossen und bedacht, was Nachteils und Übeles ihre Nachkommen hiermit anstiften möchten, wodurch auch ihr Geschlecht in Spott, Unehr und Verderben geführt künnt werden; daß sie des Steins und seiner Kraft sich wollten verwegen und verzeihen (entäußern). Und damit warfen sie den Stein in den Ursprung der Blau, welcher dann viel klafter dief (fiel) und niemand besorgen muß, daß ihn jemand wiederumb vom Grund heraufbring..
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Der Blautopf
Im Jahre 1641, so wird berichtet, war der Topf so stark angelaufen, daß das Kloster Blaubeuren für sich fürchten mußte. Es wurde daher ein allgemeiner Bettag gehalten, eine Prozession zu der erzürnten Quelle veranstaltet, und gleichsam zur Versöhnung mit der in der Quelle wohnenden Nymphe wurden zwei vergoldete Becher hineingeworfen. Hierauf soll das starke Überfließen nachgelassen haben.
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Der Freijäger aus Salmbach
In Salmbach (Salmensbach) lebte ein Jäger, der jedes Stück Wild, es mochte noch so entfernt sein, schießen konnte. Lange bat ihn sein Jägerbursch vergebens, ihn in diese Kunst einzuweihen; endlich willigte er ein unter der Bedingung, daß der Bursche niemandem etwas verrate. Er befahl ihm nun, im Advent zum Abendmahl zu gehen, aber dann die Hostie, statt sie zu genießen, ihm zu bringen. Nachdem der Bursche so gehandelt hatte, mußte er in der Christnacht mit seinem Herrn in den Wald gehen. Dort stellte sich der Jäger, die Hostie zwischen zwei Fingern haltend, dem Burschen gegenüber und forderte ihn auf, er solle auf sie schießen und sich durch nichts abhalten lassen, sonst könne es ihm übel ergehen. Der Bursche legte an, da erblickte er in der Hostie den Heiland, warf das Gewehr weg und fiel im nächsten Augenblick tot zur Erde.
Kurze Zeit nachher starb auch der Jäger und spukte so sehr im Hause, daß seine Frau einen Kapuziner kommen ließ, der ihn wegschaffen sollte. Der beschwor nun den Geist, doch dieser wollte nicht aus dem Hause welchen, sich indessen mit jedem Platze darin begnügen. Der Kapuziner bannte ihn nun in einen Schrank, den er nebst dem Zimmer verschloß, und gab der Frau die Schlüssel. Die Frau verheiratete sich aber wieder und wurde öfters von ihrem zweiten Mann nach dem verschlossenen Zimmer gefragt. Sie antwortete stets ausweichend, vergaß aber einst, als sie in die Kirche ging, die Schlüssel mitzunehmen. Ihr Mann fand dieselben und, von Neugier geplagt, öffnete er Tür und Schrank. Da sah er im Schrank den Jäger stehen und mit dem Gewehr im Anschlag auf ihn zielen. Von Entsetzen und Wahnsinn ergriffen, floh der Mann aus dem Haus, lief bei strenger Winterkälte in den Wald und wurde am andern Tag erfroren gefunden.
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Der Herr von Falkenstein
Ein Ritter aus dem Kinzigtal namens Kuno von Stein wollte unter Gottfried von Bouillon das heilige Grab erobern helfen. Er nahm daher Abschied von seiner Gemahlin mit den Worten: »Wenn ich nach Jahresfrist nicht wieder hier bin, dann bin ich tot, und du darfst nicht länger auf mich warten.«
Vor Jerusalem geriet der Ritter in die Gefangenschaft der Sarazenen, wurde als Sklave verkauft und mußte nun den Pflug ziehen und das Feld umackern. So verstrich ein Jahr. Wie er nun in einer schlaflosen Nacht seiner Heimat und seines Weibes gedachte, trat ein kleines Männlein, das aber der Teufel war, zu ihm heran und versprach, ihn noch vor Anbruch des Tages zu den Seinen unter folgender Bedingung zurückzubringen: Bleibe der Ritter während der ganzen Nacht wach, so wolle das Männlein ihn umsonst hinschaffen, schlafe er aber ein, dann solle er mit Leib und Leben dem Männlein verfallen sein. Der Vertrag wurde schriftlich aufgesetzt, und sogleich befand sich der Ritter auf dem Rücken eines Löwen und flog hoch über den Wolken über Meer und Land dahin.
Wie er nun so dahinfuhr, überfiel ihn mit einem Male eine unüberwindliche Müdigkeit. Er wollte eben einschlummern, als er plötzlich einen Schlag ins Gesicht bekam. Er fuhr auf und erblickte einen weißen Falken über sich schweben. Aber der Schlaf übermannte ihn fast ein zweites und ein drittes Mal, doch immer wurde er von dem weißen Falken geweckt.
Endlich dämmerte der Morgen. Der Ritter sah bereits tief unten die Zinnen seiner Burg liegen. Schon senkte sich der Löwe herab und ließ sich vor den Toren der Burg nieder. Im gleichen Augenblick fiel der Pergamentstreifen, auf dem der Ritter sich dem Teufel verschrieben hatte, zerrissen zu des Ritters Füßen nieder. Ein heftiger Sturm brach aus und tobte um die Burg, bis die Sonne aufging. Da sah der Ritter den weißen Falken auf dem Schloßturm sitzen. Der Vogel verließ die Burg nicht mehr und kehrte nach seinen Flügen immer wieder auf sie zurück.
Zum Andenken nahm der Ritter den Falken in sein Wappen auf und nannte die Burg und sein Geschlecht nach ihm Falkenstein.
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Der Durchzug des Mutesheeres
Durch das Dorf Thieringen bei Balingen kam alljährlich das Mutesheer mit Saus und Braus und zog dabei oft durch ein bestimmtes Haus, in dem man deshalb immer Türen und Fenster aufmachte, sobald man es kommen hörte. Da dachte einst der Hausherr, er wolle doch einmal aufbleiben und zusehen, was es mit dem Mutesheere eigentlich auf sich habe. Er blieb daher ruhig in seiner Stube sitzen, als das Heer sich nahte. Da rief eine Stimme: »Streich deam do d'Spältle zue!« Sogleich schien es dem Mann, als ob jemand mit den Fingern ihm über die Augen fahre, worauf er plötzlich erblindete. Alle Mittel, die er anwandte, um wieder sehend zu werden, halfen nichts.
Da gab ihm jemand eines Tages den Rat, er solle doch das nächste mal, wenn das Mutesheer wieder durch sein Zimmer fahre, sich wieder an den gleichen Platz setzen. Das tat der Mann, und als das Heer im folgenden Jahr wiederum durchs Zimmer zog, hörte er eine Stimme rufen: »Streich deam do d'Spältle wieder auf!« Da spürte er eine Berührung um seine Augen herum und vermochte mit einem Male wieder zu sehen und erblickte das ganze Mutesheer. Es waren eine Menge Menschen, Alte und junge, Männer und Frauen, und die machten einen wilden Lärm.
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Der Schlapphut im Urselentälchen
Im Urselentälchen, das bei Nendingen an der Donau ausläuft, haust der Schlapphut seit vielen Jahren. An seinen Füßen hat er eine Art von Schuhen, hierauf etwas Weißes wie ein Tüchlein, und dann kommen die Hosen. Er hat eine schwarzgraue Jägerjuppe um sich. Wenn man sein Gesicht sieht, erschrickt man: Es hat zwei schneeweiße Augen, fast größer als Gänseeier. Sein Hut hängt ihm weit über die Schulter hinab. Holzdiebe hat er schon sehr in Angst gejagt. Leuchtende Feuer, die von Nendingen her öfters gesehen wurden, stammen von ihm. Man kann ihn beim Schlößleberg unten über das Hag herunter kommen sehen. Er steht oft stundenlang um Mitternacht auf demselben Platz.
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Das Dangelmännle von Trossingen
Zu Trossingen im Briel hört man es an stillen und ruhigen Sonn- und Feiertagen dengeln, als wäre es heller Werktag. Will man aber sehen, wo der Dengler sitzt, so ist weit und breit niemand festzustellen. Es hat damit folgende Bewandtnis: Vor etwa 200 Jahren lebte in dem Ort ein geiziger und eigensinniger Bauer, der das Dengeln immer gern auf den Sonntag verschob, weil er werktags keine Zeit dazu fand. Seit seinem Tode muß er dafür an Sonn- und Feiertagen umgehen und dengeln bis in alle Ewigkeit. Besonders in der Heu- und Getreideernte ist er vernehmlich zu hören, vor allem in der Abenddämmerung.





